Überzeugt von der Treue Gottes
Henkes-Gedenktag in Limburg
Am Abend des 21. Februar feierten etwa sechzig Gläubige in der Pallottinerkirche St. Marien den Gedenktag des Seligen Pater Richard Henkes. In seiner Predigt schaute der Rektor des Missionshauses, Pater Alexander Holzbach, hundert Jahre zurück. Damals habe Pater Henkes als Neupriester seine Studien in Limburg beendet und sich sicher oft die Frage gestellt, wohin er nun versetzt werde. Die Träume seiner Jugend seien zerplatzt gewesen, denn Henkes wollte Pallottiner werden, um in die Mission nach Kamerun zu gehen. Das war nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr möglich. Die Oberen erkannten die pädagogischen Fähigkeiten des jungen Mitbruders. Der Rektor der Pallottiner-Niederlassung in Freising bemühte sich, dass er in die dortige Schule versetzt werde. Aber der Provinzial schickte ihn nach Vallendar in die Pallottiner-Schule, in der der junge Henkes 1912 seine Ausbildung begonnen hatte. Der neue Lehrer kam dort gut an. Pater Holzbach zitierte einen Schüler, der vom Religionsunterricht als einem gleichsam neuen Erlebnis berichtete. Den Schüler beeindruckte besonders das persönliche Gebet von Pater Henkes zu Beginn jeder Stunde. Er schreibt: „Er vermittelte den Eindruck, hinter dem Gesagten zu stehen.“ Damals sei freies Beten sicher eine Seltenheit gewesen, vermutete Pater Holzbach und hob die persönliche Frömmigkeit und die Glaubwürdigkeit von Pater Henkes hervor. Das habe die Schüler und später alle Menschen, mit denen Heneks zu tun hatte, angesprochen. Frömmigkeit und Glaubwürdigkeit seien seinem tiefen Gottvertrauen zu verdanken, das er in seiner Familie und in dem katholischen Milieu, in dem er aufgewachsen sei, entwickelt habe.
Die Frage des Neupriesters in den ersten Monaten des Jahres 1926 „Was wird aus mir?“ sei 2026 auch wieder eine Frage bei all den Menschen, die aufgrund persönlicher Krisen oder der derzeitigen geopolitischen oder wirtschaftlichen Lage verunsichert oder gar verängstigt seien. Da gelte es, das je persönliche Gottvertrauen zu stärken, auch und gerade in der Feier der Eucharistie. Diese sei Pater Henkes ein Leben lang wichtig gewesen, nicht zuletzt im KZ Dachau. Aus seinen Briefen von dort sei zu erkennen, wie sehr er den Empfang der Heiligen Kommunion als Kraftquelle geschätzt habe und als Stütze für sein Gottvertrauen. Pater Holzbach wünschte sich und allen Mitfeiernden ein solches Gottvertrauen, das in Situationen der Unsicherheit den Glauben an die Treue Gottes bewahre.
Zu den festen Traditionen des Henkes-Gedenktages gehört inzwischen das Gebet des Rektors und der Gemeinde an der Gedenkstele in die Pieta-Kapelle, die die Asche des Seligen birgt und der Einzelsegen mit dem Henkes-Reliquiar „zur Stärkung des Glaubens, des Gottvertrauens und der Bereitschaft zur Versöhnung“.
Herr unser Gott,
wir danken dir,
dass Du Richard Henkes in die Gemeinschaft des Hl. Vinzenz Pallotti gerufen hast,
dass er durch seine Haltung, sein Leben und Sterben Vorbild ist für uns heute.
An der Stätte seiner Verehrung hier in der Pieta-Kapelle
kommen wir mit unseren Anliegen zu dir:
Wir denken an die Brüder und Patres unserer Gemeinschaft weltweit.
Wir denken an all die Menschen, die uns Pallottinern zugetan sind,
die mit uns auf dem Weg sind in der Nachfolge Deines Sohnes
in der Gemeinschaft der Kirche und ihrer Mission.
Wir denken an unseren Bischof Georg,
der als erster nach der Seligsprechung hier an dieser Stätte gebetet hat,
dem eine große Verantwortung auferlegt ist für die Kirche unseres Bistums
und unseres Landes.
Wir denken an die Kranken und die Leidenden, die auf unser Gebet hoffen,
und an alle, die sich ihrer annehmen in Krankenhäusern, Heimen und in der Familie.
Wir denken an die Vielen, die keine Hoffnung mehr haben,
denen der Glaube abhanden gekommen ist.
Lege Vertrauen in die Herzen der Kinder, die getauft werden,
deren Eltern sie lehren, die Hände zu falten.
Bewege die Herzen all derer, die in ihrem persönlichen Leben
und in den Auseinandersetzungen unserer Zeit
Verzeihung suchen und Verzeihung schenken.
Schau auf die, die den Seligen Richard Henkes verehren,
die hierherkommen, um eine Kerze zu entzünden.
Schau auf die Christen und alle Menschen, die an jenen Orten leben,
wo er gewirkt hat: in Deutschland, in Polen, in Tschechien.
Stehe denen bei, die in den totalitären Systemen unserer Zeit wegen ihres Glaubens, ihrer politischen Haltung benachteiligt und ihrer Freiheit beraubt werden,
die ungerecht im Gefängnis oder in Lagern sitzen.
Denk an die leidenden Menschen im Krieg in der Ukraine und im Gazastreifen,
an die Familien der Toten aller Seiten, an die Menschen, die unter Terror leiden
im Nahen Osten, in Afrika, Asien, in Lateinamerika.
Ewiger Gott, sei bei uns, die wir hier gemeinsam Eucharistie feiern,
um wie P. Henkes, aus dieser Feier Trost und Kraft zu schöpfen für unser Leben.
Seliger Pater Richard Henkes, bitte für uns!
