Pallottinerpater Richard Henkes

Predigt von P. Alexander Holzbach zum ersten Gedenktag von Pater Richard Henkes am 21. Februar 2020

Pallotti-Kirche, Friedberg – 21. Februar 2020 – 18.00 Uhr
Gedenktag des Seligen Richard Henkes

Lesung: Buch der Weisheit 3, 1 – 9
Evangelium: Johannes 15, 9 – 17

„Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh. 15,13).

Dieses Evangelium wurde gelesen, als man in Limburg am 7. Juni 1945 die Asche von P. Richard Henkes auf dem Friedhof der Gemeinschaft beisetzte. Damals dachte niemand an Seligsprechung. Aber allen war klar, dass man einen Märtyrer zu Grabe trug.

P. Henkes hat sich mutig den Machenschaften und dem Menschenbild des Nationalsozialismus wiedersetzt, und das biblisch-christliche verteidigt, das die Freiheit und die Würde eines jeden Menschen betont. Diese Haltung hat ihm Gefängnis und KZ eingebracht. In dieser Haltung hat er die Mitgefangen, die elend an Krankheit und Verlassenheit litten, nicht allein gelassen. Freiwillig hat er sich in den Bereich des Todes einsperren lassen und ist dann auch diesem Tod erlegen.

Wir heute können kaum nachvollziehen, wie es in der „Hölle von Dachau“ in den letzten Wochen des KZ gelingen konnte, durch Beziehungen und Bestechungen eine Einzelverbrennung des Leichnams zu erreichen. Wir heute können kaum nachvollziehen, wie wichtig es den Mitbrüdern dort war, zuvor die Sterbegebete zu sprechen. In der Baracke lagen vier Leichen. Neben P. Henkes auch der polnische Priester Stefan Frelichowski, der heute mit zu den 57 Seliggesprochenen Dachau-Häftlingen gehört.

Als wir in einem feierlichen Akt am 30. April 2019 auf dem Pallottiner-Friedhof in Limburg im Beisein von Bischof Georg Bätzing und Provinzial, P. Helmut Scharler, die 1990 neu beigesetzte Urne erhoben und öffneten, dachten wir, nur Asche vorzufinden. Aber die Urne enthielt auch kleine Knochenteile, die eine vereidigter Arzt begutachtete und zuordnete.

Das Bistum Limburg und die Gemeinschaft der Pallottiner, vertreten durch den Postulator am Generalat in Rom, sind nun gemeinsam Hüter der Reliquien von P. Henkes, der am 15. September 2019 im Limburger Dom seliggesprochen wurde.

Zwei kleine Knochenteile kamen zu uns an das Provinzialat der deutsch-österreichischen Herz-Jesu-Provinz, als Reliquien für unsere Pallotti-Kirche.

Wir stehen somit in einer uralten Tradition der Kirche, in deren Anfängen man sich gerne an den Gräbern der Märtyrer zur Eucharistiefeier versammelt hat, über den Gräbern Altäre errichtete bzw. im Altarstein Reliquien barg.

Ausdruck der Gemeinschaft der Heiligen, von der wir im Credo sprechen. Hoffnung, durch ihr Vorbild für die eigene Nachfolge Christi beflügelt und gestärkt zu werden. Hoffnung, in ihnen Fürsprecher im Himmel zu haben.

Der mittelalterliche Mensch war sogar davon überzeugt, dass in den Reliquien der Märtyrer ihre „virtus“, ihre heilende Macht anwesend sei, dass Segen von ihnen ausgehe. Für uns ist die Reliquie wie das Grab Ort dankbarer und herausfordernder Erinnerung, heilsamer Nähe, tiefer Verehrung.

Eine Reliquie des Seligen Richard Henkes ist unter dem Gedenkstein angebracht. Drei Steine in der Pallotti-Kirche berichten von den drei Pallottinern, die auf dem Weg zur Seligsprechung sind. P. Franz Reinisch und Bischof Heinrich Vieter, deren Reliquienkästchen noch leer sind. Das von P. Henkes ist mit einer Reliquie ausgestattet.

Die Anordnung dieser Kästchen aus Edelstahl ist inspiriert von der Roten Scheibe der Pallotti-Kirche, die vom Pfingstereignis, vom Coenaculum spricht. Sämtliche drei Pallottiner, an die hier erinnert wird, haben im Gefolge Vinzenz Pallottis aus dem Geist und im Geist des Cönaculums gewirkt, unter dem Schutz Mariens, der Königin der Apostel.

Leo Zogmayer hat den drei Gedenksteinen gegenüber eine vierte angebracht. Die Schiefertafel zitiert Matthäus 10,26: „Darum fürchtet euch nicht vor ihnen!“ Damit ist das Gottvertrauen, die Furchtlosigkeit, die konsequente Haltung angesprochen, aus der die drei Seligen gelebt und gehandelt haben.

Neben dieser „festen“ Reliquie besitzt die Pallotti-Kirche jetzt auch ein Segens-Reliquiar. Die Augsburger Silberschmiedin Petra Weidich, die bei der Traditionsfirma Dochtermann arbeitet, hat es mit uns und für uns geschaffen – ganz aus dem Geist der Tradition und ganz für die Moderne dieser Kirche, die sozusagen kein Vorne und Hinten hat, also ein „allansichtiges“ Reliquiar braucht.

Im Hintergrund steht das gotische Turmreliquiar. Aber auch der Wachturm von Dachau. Dazu der Stacheldraht des KZ, das Symbol für den Entzug der Freiheit, worunter P. Henkes so sehr gelitten hat. Zugleich schwingt in diesem Silberdraht die liegende Acht, das große Zeichen der Unendlichkeit Gottes aus unserer Kirche mit. Und damit erinnert das Reliquiar an das Wunder, dass der Glaube und das Gottvertrauen von P. Henkes in Gefängnis und KZ sicher in Versuchung geführt, aber nicht zerbrochen wurde. Er blieb mit ganzem Herzen Priester. Er blieb mit ganzem Herzen Seelsorger. Er lebte aus ganzem Herzen Nächstenliebe. Bis in die Hingabe seines Lebens. Dafür steht das in Zwiesel gegossene rote Glas, das die Reliquie birgt, das vom Martyrium spricht und auch wieder von der Roten Scheibe, die die pallottinische Spiritualität kündet, vom Coenaculum, dem pfingstlichen Geburtsort der Kirche.

Der neue Selige war sich bewusst, dass es dem System letztlich nicht um die Vernichtung seiner Person ging, sondern um die Vernichtung der Kirche mit ihrer Botschaft vom Heil.

Er schreibt: „Es liegt ja in der Zeit, dass wir Priester heute dem Heiland nach Getsemani folgen und vielleicht auch nach Golgota.“ (Lebensweg S. 179). „..ich bin nicht hier, weil ich vielleicht zu scharf gewesen bin, sondern ich bin wirklich ein Opfer meines Berufes geworden.“ (Lebensweg Seite 180)

Und: „Ich gehe auch hier meinen Weg mit Gott!“ (Lebensweg S. 183)

Wenn wir hier und heute und in Zukunft den Seligen Pater Richard Henkes verehren, dann heißt das: Auch wir wollen unseren Weg weiter mit Gott gehen, komme, was da wolle. Und wir sind dankbar für jedes Zeichen der Ermutigung – auch das will die Reliquie sein – für jedes Weggeleit von Brüdern und Schwestern der Vergangenheit und der Gegenwart, derer, die gestern waren und aller, die heute mit uns auf dem Weg sind. Amen.

Gebet an der Reliquie

Herr unser Gott,
wir danken dir,
dass Du Richard Henkes in die Gemeinschaft des Hl. Vinzenz Pallotti gerufen hast.
Dass er durch sein Leben und Sterben Vorbild ist für uns heute.
An der Stätte seiner Verehrung hier in der Kirche unseres Provinzialates kommen wir mit unseren Anliegen zu dir:
Wir denken an die Brüder und Patres in der ganzen Provinz und weltweit.
An die, die mit Freude in ihrem Apostolat wirken.
An die, sie sich schwer tun und von Fragen bedrängt sind.
Wir denken an die Zukunft unserer Gemeinschaft und der Kirche und hoffen,
dass Du viele Herzen berührst.
Wir denken an all die Menschen, die uns Pallottinern zugetan sind,
die mit uns auf dem Weg sind in der Nachfolge Deines Sohnes
in der Gemeinschaft der Kirche und ihrer Mission.
Wir denken an die Kranken und die Leidenden.
Schau auf die, die den Seligen Richard Henkes verehren.
Schau auf die Christen und alle Menschen, die dort leben, wo er gewirkt hat:
in Deutschland, in Polen, in Tschechien.
Stehe denen bei, die in unserer Zeit wegen ihres Glaubens, ihrer Haltung benachteiliget werden, ihrer Freiheit beraubt werden, die ungerecht im Gefängnis oder in Lagern sitzen – in China, in Indien, im Nahen Osten, in vielen Ländern Afrikas und Lateinamerikas.
Denk an die Leidenden der Kriege im Jemen, in Syrien, in der Ukraine, in den Auseinandersetzungen in Kamerun und Nigeria.
Sei bei den Toten und ihren Angehörigen in Hanau.
Bei den Toten und ihren Angehörigen in der Diözese Kumbo, dem Partnerbistum von Limburg in Kamerun, dem Land, das Bischof Vieter am 8. Dezember 1890 Maria, der Königin der Apostel geweiht hat.
Guter und ewiger Gott, sei bei uns, die wir hier gemeinsam Eucharistie feiern.

Gemeinsames Gebet:

Gott der Wahrheit und der Liebe,
du hast Pater Richard Henkes berufen,
ein Leben lang auf dich zu vertrauen,
für Wahrhaftigkeit einzustehen
und Menschen zu versöhnen.
Du hast ihm die Kraft gegeben,
Kreuzträger zu sein
und sein Leben für andere hinzugeben.
Lass uns wachsam und entschieden sein,
heute unserer Berufung zu folgen,
damit die Menschen in der Würde leben können,
die du allen geschenkt hast.

Maria, Königin der Apostel. Bitte für uns.
Heiliger Vinzenz Pallotti. Bitte für uns.
Seliger Richard Henkes. Bitte für uns.

Nachrichten

Glückwunsch an P. Manfred Probst
Der Postulator der Causa Henkes feierte 80. Geburtstag

Zwei großen Feiern, die man eigentlich nicht miteinander vergleichen kann, feierte im Jahr 2019 P. Dr. Manfred Probst. Am 15. September konnte er die Seligsprechung von P. Richard Henkes im Limburger Dom miterleben und sogar mitgestalten.

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Pater Richard Henkes wurde seliggesprochen
Gedenktag ist am 21. Februar

Richard Henkes kann jetzt als Seliger angerufen und als Märtyrer verehrt werden: Kurt Kardinal Koch hat den Pallottinerpater aus Ruppach-Goldhausen am Sonntag, 15. September, im Hohen Dom zu Limburg für sein Lebenszeugnis seliggesprochen.

Der Kurienkardinal aus Rom verlas als Delegat des Papstes das entsprechende Schreiben von Franziskus, in dem Henkes als „heroischer Zeuge der christlichen Liebe“ und als „unerschrockener Verkünder des Evangeliums“ gewürdigt wird. Pater Henkes hatte unter dem Terrorregime der Nationalsozialisten im Konzentrationslager Dachau freiwillig sein Leben im Dienst an typhuskranken Mitgefangenen hingegeben. Er war wegen seiner Regimekritik inhaftiert worden. Sein Gedenktag ist auf den 21. Februar festgelegt worden.

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Ein Fest für einen neuen Seligen
Pallottiner und Bistum laden zur Seligsprechung von Pater Richard Henkes SAC ein

Am kommenden Sonntag, 15. September, wird der Pallottinerpater Richard Henkes aus Ruppach-Goldhausen in Limburg selig gesprochen. Die Seligsprechung mit Kurt Kardinal Koch, dem Vertreter des Papstes, beginnt um 14 Uhr im Hohen Dom zu Limburg. Die Liturgie wird live auf die Domplatte und in die Stadtkirche übertragen. Insgesamt werden mehr als 1.200 Sitzplätze zur Verfügung stehen. Zudem wird es einen Livestream auf www.bistumlimburg.de geben.

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Dorffrühstück und Autorenlesung in Ruppach-Goldhausen

Das alljährliche Dorffrühstück der Generationengemeinschaft in Ruppach-Goldhausen stand dieses Mal ganz im Zeichen der Seligsprechung von Pater Richard Henkes. Eine Umfrage zum Thema dokumentierte noch einmal das breite Interesse an der bevorstehenden Feierlichkeit.

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Brückenbauer zwischen Deutschen und Tschechen

Am 15. September wird Pater Richard Henkes in Limburg seliggesprochen. Der Pallottinerpater aus Ruppach-Goldhausen war nicht nur ein mutiger Kritiker, der klar Stellung gegen die Nazis bezog, sondern auch Friedensstifter und Vermittler zwischen Tschechen und Deutschen. Eine Partnerschaft zwischen Ruppach-Goldhausen und dem tschechischen Strahovice erinnert daran.

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74. Todestag von P. Richard Henkes im Zeichen seiner Seligsprechung

Am 22. Februar 1945 starb der Westerwälder Pallottinerpater Richard Henkes im KZ Dachau. 74 Jahre nach seinem Tod soll der Westerwälder Priester noch in diesem Jahr selig gesprochen werden. Mit seinem freiwilligen Dienst als Pfleger typhuskranker Mithäftlinge riskierte er sein Leben. Die hochansteckende Infektionskrankheit übertrug sich auch auf ihn. Sein Tod trat nach nur wenigen Tagen ein.

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Keine Supermenschen, aber Vorbilder

Die im vergangenen Jahr erfolgte Heiligsprechung von Katharina Kasper, der Dernbacher Ordensgründerin, sowie die 2019 bevorstehende Seligsprechung des aus Ruppach-Goldhausen stammenden und im KZ Dachau umgekommenen Pallottiner-Paters Richard Henkes waren der Anlass, diese beiden Personen der Geschichte aus dem Bistum Limburg in den Blick zu nehmen. Provinzoberin der Dernbacher Schwestern, Sr. M. Theresia Winkelhöfer ADJC, stellte Katharina Kasper als eine entschiedene, willensstarke Frau aus armen Verhältnissen dar; deshalb schulisch nicht sehr gebildet, jedoch mit einer „bewundernswerten Gabe der Unterscheidung der Geister“, wie ihr der damalige Limburger Bischof Blum bescheinigte. Ganz bewusst wählte sie den Namen „Arme Dienstmägde Jesu Christi“ für ihre Schwestern, um zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, den Armen zu dienen und so das Evangelium zu verkündigen.

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Ruppach-Goldhausen bereitet sich auf Seligsprechung vor

Pater Richard liebte seine Heimat, den Westerwald. Briefe und Zeugenaussagen belegen, wie sehr er sich in manchen Lebensmomenten nach seiner Familie und seiner Heimatgemeinde Ruppach-Goldhausen sehnte. Der Ort und seine Menschen blieben immer in seinem Herzen verankert. Und auch er hat Spuren in den Herzen der Ruppach-Goldhausener hinterlassen.

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Die Würde des „Sich-Verschenkens“. Identität und Hingabe als Lebensgestalt bei P. Richard Henkes SAC

Referent: Prof. P. Dr. Edward Fröhling SAC

Donnerstag, 16.05.2019, 19.00 Uhr

PTHV, Pallottistr. 3, Vallendar

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ringvorlesung 2018/ 2019 an der Philosophisch-Theologischen Hochschule, Pallottistraße 3 in Vallendar statt

Weitere Informationen unter www.pthv.de


Neuauflage von Henkes-Biografie – Neue wichtige Zeugenaussagen

Der Pallotti Verlag in Friedberg hat kürzlich mitgeteilt, dass die dritte Auflage der von P. Manfred Probst verfassten Biografie "Glaubenszeuge im KZ Dachau" erschienen ist. Die Erweiterungen kommen von zwei Zeuginnen aus dem Bereich des Hultschiner Ländchens. Die eine bezeugt das Bemühen Henkes' um Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen und dass P. Henkes ein eifriger Fahrradfahrer war. Die Zweite berichtet, dass P. Henkes bei ihrem Vater Unterricht in tschechischer Sprache genommen hat und er auch in eine Gruppe eingebunden war, die versucht hat, Nazi-Verfolgte zu unterstützen. Die Biografie ist in der Pallottiner Buchhandlung in Limburg oder im Pallotti Verlag Friedberg erhältlich.

Pallottiner Buchhandlung: Wiesbadener Straße 1 | 65549 Limburg

Pallotti Verlag Friedberg: Vinzent-Pallotti-Straße 14 | 86316 Friedberg

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