Pater Richard Henkes

Predigten

P. Henkes war ein eindrucksvoller, hervorragender Prediger. Das bezeugen so gut wie alle Zeugen aus Katscher, Frankenstein, Branitz, Strandorf und aus dem KZ Dachau. Aber nur wenige Details blieben bei den Zeugen in Erinnerung. Die viel Aufregung in Ruppach auslösende Predigt vom 7. Juli 1937 befasste sich mit dem Thema: Was heute in der Welt los ist. Es ging um das kirchenfeindliche Wirken des Nationalsozialismus in Deutschland. Obwohl P. Henkes seine Predigten schriftlich vorbereitete, konnte trotz intensiver Suche in Deutschland, Polen, Tschechien und Moskau kein einziges Manuskript gefunden werden. Eine Predigt vom Jugendbekenntnissonntag 1937 aus dem Generalvikariat Branitz, die ein Unikat ist, könnte von P. Henkes stammen oder er könnte an ihr mitgewirkt haben.

Seine drei Predigten im KZ Dachau haben biblische Grundlagen. Es ist bezeugt, dass P. Henkes im KZ eine Mini-Bibel besaß.

Auch von seinen Exerzitienkursen wissen wir nur das, was einzelne Zeuginnen darüber überliefern; Manuskripte wurden nicht gefunden. Er hat aber dabei zentrale Glaubensthemen angesprochen. So behandelte er nach Aussage einer Zeugin in einem Dreijahreszyklus die drei göttlichen Personen.

Predigten über P. Henkes

Ansprache zum 65. Todestag von P. Richard Henkes. Gedenkvesper in der Wallfahrtskirche:

Liebe Freunde von P. Richard Henkes und die, die es werden wollen!

Wie kann ich Ihnen die Person von P. Richard Henkes nahe bringen? Wenn man sich mit seinem Leben befasst, entsteht als erster Eindruck: er war ein Mensch wie du und ich. Er kam vom Lande, aus einer großen Familie, wo er früh in der kleinen Landwirtschaft und im Lebensmittelgeschäft seiner Eltern aushalf. Durch die Aushilfen der Pallottinerpatres aus Limburg, die viel von der Mission in Kamerun erzählten, wuchs in Richard, inzwischen etwa 12 Jahre alt, der Wunsch Missionar in Kamerun zu werden. Er war einer der Schüler, die 1912 in das neu gebaute Studienheim einzogen, zusammen mit Josef Engling, Hans Wormer, Josef Hagel, und P. Josef Kentenich, den der Provinzial zum Spiritual des neuen Studienheims ernannt hatte. Richard lernte eifrig, trat 1916 in die neu gegründete Marianische Kongregation ein, wurde 1918 noch zum Soldat ausgebildet, ging 1919 ins Noviziat der Pallottiner, wurde 1925 zum Priester geweiht und dann Lehrer in den verschiedenen Nachwuchsschulen der Pallottiner im Westen und ab 1931 im Osten des damaligen Deutschlands. Eine Laufbahn, wie sie auch andere Pallottiner damals durchliefen.

Man muss sich schon intensiver mit seinem Leben beschäftigen, um das Besondere seiner Berufung zu erkennen. Zwei Charakterzüge möchte ich hervorheben: sein Freiheitsbewußtsein und seine radikale Suche nach Wahrheit.
Sein Streben nach Freiheit war Thema unserer Gedenkfeier in der Hochschule vor zwei Jahren. Das Motto der heutigen Gedenkfeier „Es muß einer da sein, der etwas sagt“, legt es nahe, über sein Streben nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit nachzudenken.

1917 war Richard Henkes hier im Studienheim der Briefpartner für eine Gruppe von Sodalen, die bereits in der militärischen Ausbildung oder an der Front waren. Ihnen schlug er vor, über Wahrheit und Wahrhaftigkeit nachzudenken. Nicht alle waren begeistert, er wurde aufgefordert, seine Gedanken praxistauglich auszuführen. Er schrieb daraufhin zwei Briefe über die Pflege der Wahrheit, die bisher nicht gefunden wurden. Aber es gibt weitere Äußerungen. So schreibt er an Johannes Lehmler aus Oberlahnstein am 27. Januar 1918:

„Teurer Mitsodale! Ich) würde mich freuen, wenn wir etwas für die Wahrheit arbeiteten. Wie das Laster der Lüge so viele andere Fehler und Leidenschaften in sich birgt, so viel Tugenden zieht die Wahrheit nach sich. Doch der Weg zur Wahrheit ist schwer und steil und erfordert hauptsächlich zweierlei: verzichten und leiden. Verzichten muss der Wahrheitssuchende auf manche Freude des Lebens und seine liebsten Illusionen muss er auf den Opferaltar legen. Kämpfen muß er gegen die ganze Welt; denn sie dient der Lüge. Kämp- // fen muss er hauptsächlich seit die Wahrheit selber auf Golgatha an’s Kreuz geheftet wurde. Und wie herrlich ihr zu dienen. Das ziemt einem ... Sodalen Mariens. Es ist nur schwer System in die Arbeit zu legen.“

Während der Studienjahre in Limburg von 1920 – 25 macht Richard eine schwere Lebens- und Glaubenskrise durch. Auch in dieser Zeit taucht in seiner Korrespondenz mit P. Kentenich immer wieder das Stichwort Wahrheit auf. Am 17. April 1923 eröffnet der Theologiestudent P. Kentenich, dass er manchmal Selbstmordgedanken gehabt habe. Am Ende dieses Briefes stehen prophetische Sätze: „Ich wage nicht mehr um irgend etwas zu bitten, könnten Sie es in meiner Lage? Sagen Sie ich sei undankbar oder boshaft, ich will es noch dazu tragen. Wahr bin ich und will ich sein und wenn die Wahrheit mich vernichtet...“.

Richard zeigt auch Mut gegen den eigenen Seelenführer. Angeregt durch die Vorlesungen über die Gnade entwickelt er eine veränderte Sicht. Am Tag vor seiner Priesterweihe schreibt er P. Kentenich: „Wenn ich so die Harmonie meiner Selbstheiligung mit meinem Apostolat herstelle, dann kommt eine ganz gewisse Grundstimmung zustande. Bei mir herrscht so der Gedanke, ich kann mich nicht heiligen (Erfahrung!!) Gott muss // tun, seine Gnade; ich muss auf seine Stimme horchen, seinem Wirken nachfühlen... Früher wollte ich ja alles allein tun, jetzt sehe ich, dass ich nichts kann; doch eins kann ich, mich für andere zum Opfer bringen.“
Mut zur Wahrheit kennzeichnet P. Henkes auch gegen sich selbst. Als er auf Bitten von Josef Kentenich seine Erfahrungen mit Josef Engling niederschrieb, verhehlte er nicht, dass er zu denen gehört hatte, die häufig ihren Schabernack mit ihm gespielt hatten.

Die eigentliche Herausforderung seiner Wahrheitsliebe kam 1933 und in den Jahren danach. Sein Leben wird ein Kampf gegen die rassistische und neuheidnische Weltanschauung der Nazis, sein Wirken in der Schule, in Exerzitien und auf der Kanzel wird zum Kampf für die Wahrheit Gottes und des katholischen Christentums. Richard Henkes entwickelt ein feines Gespür, wo die Nazis Lüge und falsche Propaganda einsetzen. Er verurteilt die neuen Steuergesetze, die die Kirche bluten lassen, er sieht die böse Absicht der Nazis hinter den Devisen – und Sittlichkeitsprozessen. Er steht kritisch zur Politik der Nazis im Umgang mit den Sudetendeutschen und der Zerschlagung der Tschechoslowakei. 1940/41 begann die Aktion T 4, die Vernichtung angeblich unwerten Lebens. Auf der Kanzel der Pfarrkirche in Branitz, wo eine Heil – und Pflegeanstalt mit ca. 2000 Betten existierte, gab P. Henkes eine glasklare Stellungnahme ab: „Die Tötung Wehrloser ist Mord“.

Seine freiwillige Pflege ausländischer KZ Häftlinge auf Block 17 ist zunächst eine Tat heroischer Nächstenliebe. Aber auch dahinter steht die Wahrheitsfrage. Heinrich Himmler, der Reichsführer SS, hat aus seiner rassistischen Einstellung heraus in einer Geheimrede vor Offizieren der deutschen Wehrmacht die KZ-Insassen als das Geschmeiß Europas verunglimpft. Für Richard Henkes waren die KZ-Insassen Ebenbilder Gottes, denen unterschiedslos das Liebesgebot Jesu galt. Seine etwa zweimonatige freiwillige Pflege der Typhuskranken auf Block 17 sind auch ein stummer Protest gegen den Ungeist der Nazis, die Menschen anderer Rassen als minderwertig ansahen und eine überzeugende Demonstration der Nachfolge Jesu im Dienst an Schwerkranken und Sterbenden.

Seit etwa drei Wochen verfolgen uns in den Medien die Nachrichten über Mißbrauchsfälle in katholischen Schulen. Auch in der katholischen Kirche hat man oft weggeschaut, Dinge unter den Teppich gekehrt, die Täter mehr geschützt als die Opfer. Dennoch wird man fragen dürfen, ob es den Medien um die reine Wahrheitsliebe geht oder ob die Medien inzwischen eine Kampagne gegen die katholische Kirche daraus gemacht haben. Eines Gute hat der Vorgang: Mehr als früher wird deutlich, dass wir alle im Dienst der Wahrheit stehen. Nicht wegsehen lautet das Gebot der Stunde, sondern hinschauen, sich engagieren, für die christliche Auffassung vom Menschen Zeugnis geben. Dass Richard Henkes christliche Nächstenliebe vorbildlich gelebt hat, fällt uns nicht schwer anzuerkennen. Wir sollten ihn aber auch als mutigen Zeugen der christlichen Wahrheit Gottes sehen. Wegen seiner Predigten und seiner Jugendarbeit kam er ins KZ. Dachau. Wegen seines mutigen Einsatzes für ausländische Mithäftlinge, die er als Gottes geliebte Geschöpfe ansah, kam er ums Leben. Richard Henkes ist ein Mensch und Priester, der uns Vorbild sein kann.

Lasst uns nun Fürbitte halten und auch um seine Seligsprechung beten.

Nachrichten

71. Todestag von P. Richard Henkes

Am Sonntag, den 21. Februar 2016 begehen die Pallottiner in Limburg und Vallendar den Todestag von P. Richard Henkes, einen Tag bevor sich dieser zum 71. Mal jähren wird.

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Vortrag über P. Richard Henkes in Slavkowice

Pater Richard Henkes wird Thema eines Vortrages im Rahmen des Festes der Barmherzigkeit Gottes am 12. April 2015 im tschechischen Slavkowice sein. Die Pallottiner vor Ort haben Vize-Postulator Prof. P. Dr. Manfred Probst SAC eingeladen, über den Westerwälder Pallottinerpater, der einige Jahre vor seinem Tod im KZ Dachau in Tschechien seelsorgerisch tätig war, zu sprechen.

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Neuauflage von Henkes-Biografie – Neue wichtige Zeugenaussagen

Der Pallotti Verlag in Friedberg hat kürzlich mitgeteilt, dass die dritte Auflage der von P. Manfred Probst verfassten Biografie "Glaubenszeuge im KZ Dachau" erschienen ist. Die Erweiterungen kommen von zwei Zeuginnen aus dem Bereich des Hultschiner Ländchens. Die eine bezeugt das Bemühen Henkes' um Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen und dass P. Henkes ein eifriger Fahrradfahrer war. Die Zweite berichtet, dass P. Henkes bei ihrem Vater Unterricht in tschechischer Sprache genommen hat und er auch in eine Gruppe eingebunden war, die versucht hat, Nazi-Verfolgte zu unterstützen. Die Biografie ist in der Pallottiner Buchhandlung in Limburg oder im Pallotti Verlag Friedberg erhältlich.

Pallottiner Buchhandlung: Wiesbadener Straße 1 | 65549 Limburg

Pallotti Verlag Friedberg: Vinzent-Pallotti-Straße 14 | 86316 Friedberg

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